Stellen Sie sich vor: Sie sitzen zum ersten Mal in einem Tesla Model 3, treten das Gaspedal durch – und der Wagen beschleunigt lautlos mit voller Kraft.
Stellen Sie sich vor: Sie sitzen zum ersten Mal in einem Tesla Model 3, treten das Gaspedal durch – und der Wagen beschleunigt lautlos mit voller Kraft. Kein Motorengeräusch, kein Schaltvorgang, nur ein sanftes Gleiten. Genau diese Erfahrung wird für viele Fahrschüler in der Schweiz bald zur Realität. Denn die Elektromobilität verändert nicht nur unsere Strassen, sondern auch die Art, wie wir Autofahren lernen. 2023 waren in der Schweiz über 152'000 Elektroautos zugelassen – ein Anstieg von 40% gegenüber dem Vorjahr. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) reagiert darauf mit neuen Prüfungsanforderungen, die speziell den Umgang mit E-Autos testen. Für Fahrschulen und Fahrschüler heisst das: umdenken, umlernen, umsteigen. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, warum die Fahrausbildung für Elektroautos eine der grössten Herausforderungen der nächsten Jahre wird – und wie Sie sich darauf vorbereiten können.
Warum die Fahrausbildung auf E-Autos umgestellt werden muss



Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ende 2023 fuhren auf Schweizer Strassen über 152'000 reine Elektroautos, Tendenz stark steigend. Der Verband e'mobile rechnet damit, dass bis 2025 jeder fünfte Neuwagen in der Schweiz elektrisch sein wird. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf die Fahrausbildung. Immer mehr Fahrschüler fragen explizit nach Fahrstunden mit Elektroautos – nicht nur aus Umweltbewusstsein, sondern auch, weil sie später selbst ein E-Auto fahren werden. Das Angebot an Fahrschulen, die E-Autos anbieten, ist jedoch noch begrenzt. Während in Städten wie Zürich, Basel oder Genf einige Vorreiter wie die Fahrschule E-Drive Zürich oder die Garage Brosi Luzern auf Elektroautos setzen, hinken ländliche Regionen hinterher.
Das ASTRA hat die Relevanz erkannt und passt die Prüfungsanforderungen sukzessive an. Seit 2022 gibt es in der Theorieprüfung spezifische Fragen zu Elektroautos – etwa zum Ladevorgang, zur Reichweite oder zur Rekuperation. In der praktischen Prüfung wird zunehmend bewertet, wie Kandidaten mit den besonderen Eigenschaften eines E-Autos umgehen. Das ist nicht nur eine formsache: Wer später ein E-Auto fahren will, muss grundlegend andere Fahrtechniken beherrschen als bei einem Verbrenner. Die Umstellung der Fahrausbildung ist daher nicht nur ein Trend, sondern eine Notwendigkeit für die Verkehrssicherheit der Zukunft.
Die wichtigsten Unterschiede für Fahrschüler
Ein Elektroauto zu fahren ist in vielerlei Hinsicht einfacher – aber auch anders. Fahrschüler, die vom Verbrenner kommen, müssen sich auf drei zentrale Unterschiede einstellen. Diese Punkte sind entscheidend, um die Prüfung zu bestehen und später sicher unterwegs zu sein.
- Rekuperation statt Bremse: Bei den meisten E-Autos wie dem Hyundai Kona Electric oder dem Renault Zoe wird beim Loslassen des Gaspedals automatisch rekuperiert – das Auto bremst sanft und lädt die Batterie. Fahrschüler müssen lernen, diese Verzögerung zu dosieren: zu starkes Rekuperieren kann den Verkehrsfluss stören, zu schwaches erfordert unnötiges Bremsen. Das sogenannte Ein-Pedal-Fahren verlangt ein völlig neues Gefühl für die Fussbewegung.
- Leise Gefahr: Elektroautos sind bei niedrigen Geschwindigkeiten nahezu geräuschlos. Für Fahrschüler bedeutet das eine erhöhte Aufmerksamkeit für Fussgänger, Velofahrer und Kinder, die das Auto nicht hören. In Prüfungen wird deshalb bewusst auf das Fussgängerverhalten geachtet. Fahrlehrer empfehlen, bei Tempo 20 oder beim Rückwärtsfahren bewusst das Fenster zu öffnen, um Geräusche von aussen besser wahrzunehmen.
- Sofortige Drehmomentabgabe: Der Tesla Model 3 oder der VW ID.3 haben ein extremes Beschleunigungsvermögen – das Drehmoment steht ab der ersten Umdrehung voll zur Verfügung. Fahrschüler müssen das Gaspedal sensibel behandeln, besonders beim Anfahren an Ampeln oder in Steigungen. Ein zu heftiger Tritt kann das Fahrzeug unkontrolliert nach vorne katapultieren. In der Prüfung wird dies als mangelnde Fahrzeugbeherrschung gewertet.
Zusätzlich kommt das höhere Gewicht der Batterien ins Spiel: Ein E-Auto wiegt oft 200 bis 300 Kilogramm mehr als ein vergleichbarer Verbrenner. Das beeinflusst das Kurvenverhalten und den Bremsweg. Fahrschüler müssen lernen, die Trägheit des Fahrzeugs besser einzuschätzen – vor allem auf nassen oder winterlichen Strassen, wie sie im Schweizer Mittelland häufig vorkommen.
Neue Anforderungen in der Schweizer Fahrprüfung

Seit 2022 hat das ASTRA die theoretische und praktische Prüfung umfassend ergänzt. Im Theorieteil müssen Kandidaten nun Fragen zu Ladevorgängen beantworten – etwa: «Wie lange lädt ein leeres E-Auto mit 50 kW an einer Schnellladesäule?» Oder: «Was bedeutet die Anzeige der Reichweite bei tiefen Temperaturen?» Das erfordert Grundwissen über Ladeleistung und Batteriepflege.
In der praktischen Prüfung, etwa auf den Prüfungsstrecken von Zürich-Altstetten oder Bern-Bümpliz, bewerten Experten gezielt das Rekuperationsverhalten. Prüfungsexperten der Fahrprüfungsstelle Zürich bestätigen: «Wir achten darauf, ob der Kandidat die Rekuperation nutzt, um vorausschauend zu fahren, oder ob er zu abrupt vom Gas geht.» Ein weiterer Punkt ist die Energieanzeige – viele E-Autos zeigen den aktuellen Verbrauch in kWh/100 km an. Fahrschüler müssen diese Werte interpretieren können, um ihre Fahrweise anzupassen. Wer zum Beispiel bei voller Beschleunigung auf der Autobahn den Verbrauch in die Höhe treibt, zeigt mangelndes Verständnis für die Effizienz des Fahrzeugs.
Das ASTRA plant zudem, die Prüfungsordnung bis 2025 weiter zu verschärfen: Künftig soll eine Mindestanzahl von fünf Fahrstunden mit einem E-Auto für die Grundausbildung verpflichtend werden. Diese Diskussion läuft aktuell mit den kantonalen Strassenverkehrsämtern. Fahrschulen in der Romandie, wie die Auto-École Lémanique in Genf, testen bereits Pilotprogramme, in denen die Hälfte der Fahrstunden auf E-Autos entfällt.
Vorteile des Fahrenlernens mit einem Elektroauto


Warum lohnt es sich für Fahrschüler, schon jetzt mit einem E-Auto zu lernen? Die Vorteile liegen auf der Hand – und machen den Einstieg in die Mobilität nicht nur zukunftssicher, sondern auch angenehmer.
- Tiefere Kosten: Eine Fahrstunde mit einem E-Auto kostet im Durchschnitt 10 Prozent weniger als mit einem Verbrenner. Laut dem Verband der Schweizer Fahrlehrer (VFS) liegt der Durchschnittspreis für eine 50-minütige Fahrstunde mit einem Verbrenner bei etwa 90 Franken, mit einem E-Auto bei rund 81 Franken. Grund dafür sind die niedrigeren Energiekosten: Eine Kilowattstunde Strom kostet zu Hause rund 20 Rappen, während Benzin oder Diesel pro Kilometer deutlich teurer sind. Fahrschulen geben diese Ersparnis oft an die Schüler weiter.
- Umweltfreundlich: Wer mit einem E-Auto fährt, reduziert seinen CO2-Ausstoss pro Fahrstunde um bis zu 60 Prozent. Das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für das eigene Gewissen. Immer mehr junge Fahrschüler legen Wert auf Nachhaltigkeit – die Wahl eines E-Autos in der Fahrschule ist ein klares Statement.
- Einfachere Bedienung: Kein Kuppeln, kein Schalten – das Fahren mit einem E-Auto lenkt den Fokus vollständig auf die Verkehrsbeobachtung. Fahrschüler können sich besser auf das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer, auf Verkehrsschilder und auf die Routenplanung konzentrieren. Das führt nachweislich zu einer kürzeren Lernzeit, wie eine Studie der ETH Zürich aus dem Jahr 2022 zeigt: Schüler, die die ersten zehn Fahrstunden mit einem E-Auto absolvierten, benötigten im Schnitt drei bis vier Fahrstunden weniger bis zur Prüfungsreife.
Fahrschulen wie die Fahrschule E-Drive Zürich berichten von positiven Rückmeldungen: «Unsere Schüler fühlen sich nach der Umstellung sicherer und sind motivierter, weil sie die moderne Technik erleben.»
Herausforderungen für Fahrschulen
Die Umstellung auf Elektroautos stellt Fahrschulen in der Schweiz vor grosse Hindernisse. Die Anschaffungskosten für ein E-Auto sind 30 bis 50 Prozent höher als für einen vergleichbaren Verbrenner. Ein VW ID.3 kostet in der Basisversion rund 37'000 Franken, ein vergleichbarer VW Golf mit Benzinmotor etwa 25'000 Franken. Hinzu kommen hohe Kosten für die Ladeinfrastruktur: Eine Wallbox in der Fahrschule kostet installiert zwischen 1'500 und 3'000 Franken. In ländlichen Gebieten wie dem Kanton Graubünden oder dem Jura fehlen zudem öffentliche Ladestationen, was die Planung von Fahrstunden erschwert. Fahrlehrer müssen Umwege zu den nächsten Schnellladestationen einplanen, was die Ausbildung ineffizient macht.
Ein weiteres Problem: nicht jeder Fahrlehrer ist bereit, sich auf die neuen Techniken einzulassen. Die Gewerkschaft der Fahrlehrer Schweiz schätzt, dass bisher nur etwa 15 Prozent der Fahrlehrer eine spezifische Schulung für E-Autos absolviert haben. Viele zögern, weil sie Angst vor technischen Defekten oder ungewohnten Reparaturkosten haben. Das ASTRA bietet zwar Förderprogramme für die Umstellung an – etwa über den Klimafonds des Bundes – doch die bürokratischen Hürden sind hoch. Fahrschulen in der Stadt Basel haben deswegen eine Kooperation mit der IBAarau AG gestartet, um Leasingmodelle für E-Autos günstiger zu machen.
Blick in die Zukunft der Fahrausbildung
Die Entwicklung ist klar: Bis 2030 sollen laut den Plänen des Bundesamts für Energie mindestens 30 Prozent aller Fahrschulen in der Schweiz auf Elektroautos umgestellt haben. Das ist ambitioniert, aber realistisch, wenn die staatlichen Förderungen steigen. Ein weiterer Meilenstein könnte die Einführung einer Pflicht für mindestens fünf Fahrstunden mit E-Auto in der Grundausbildung sein – ähnlich wie es sie in Norwegen bereits gibt. Norwegen, das Vorreiterland der Elektromobilität, schreibt seit 2022 vor, dass jeder Fahrschüler mindestens drei Stunden auf einem E-Auto absolvieren muss.
Darüber hinaus denken Experten über den Einsatz von autonomen E-Shuttles in der Fahrausbildung nach. In der Stadt Winterthur läuft ein Pilotprojekt, bei dem Fahrschüler auf abgesperrten Strecken mit einem EasyMile E-Shuttle trainieren können. Sind Sie bereit für die Zukunft der Fahrausbildung? Finden Sie jetzt eine Fahrschule mit Elektroautos in Ihrer Nähe.



