Erfahren Sie, wie Sie mit gezieltem Ankauf von Leasingrückläufern und Jahreswagen beim Autoexport aus der Schweiz hohe Margen erzielen. Inklusive konkrete Beispiele und Tipps.
Stellen Sie sich vor: Sie kaufen einen gepflegten VW Golf aus zweiter Hand für 25'000 Franken und verkaufen ihn nach Osteuropa für umgerechnet 32'000 Franken. Klingt nach Traum? Für erfahrene Schweizer Exporteure ist das Alltag. Der Schlüssel liegt nicht im Verkauf, sondern im Ankauf. Denn wer die besten Fahrzeuge zur richtigen Zeit und zum richtigen Preis sichert, maximiert seine Marge. 2023 verliessen über 150'000 Gebrauchtwagen die Schweiz – ein Rekord. Und der Markt wächst weiter. Doch nur wer die Kunst des strategischen Einkaufs beherrscht, kann in diesem Geschäft langfristig bestehen.
1. Warum der Ankauf das Herzstück des Exportgeschäfts ist

Die Schweiz geniesst weltweit einen exzellenten Ruf für ihre Occasionen. Grund dafür sind die lückenlose Servicehistorie, die hohe Wartungsqualität und die strenge Fahrzeugprüfung (MFK). In Ländern wie Rumänien, Polen oder Ungarn sind Schweizer Fahrzeuge deshalb besonders begehrt. Der Export von über 150'000 Einheiten im Jahr 2023 belegt dies eindrücklich.
Doch die Nachfrage allein reicht nicht. Entscheidend ist der gezielte Ankauf. Wer blindlings kauft, kauft oft falsch: zu teuer, schlechte Ausstattung, unbeliebte Motorisierung. Profitabel wird es erst, wenn man Modelle mit hoher Wiederverkaufschance in den Zielländern identifiziert. Der klassische BMW 3er (Diesel) oder der VW Golf mit TDI-Motor sind in Osteuropa absolute Renner. Händler, die solche Fahrzeuge frühzeitig sichern, sichern sich auch den Gewinn.
2. Leasingrückläufer: Die versteckte Goldgrube
Etwa 40% aller Neuwagen in der Schweiz werden geleast – das sind jährlich rund 120'000 Fahrzeuge, die nach 2–4 Jahren Vertragslaufzeit zurückkommen. Diese Leasingrückläufer sind eine der wertvollsten Quellen für Exportfahrzeuge.
Grosse Händler wie die AMAG (Importeur von VW, Audi, Škoda, Seat) oder die Emil Frey Gruppe (Toyota, Honda, Lexus, Jaguar, Land Rover) bieten regelmässig ganze Pakete mit Rückläufern an. Die Fahrzeuge sind meist:
- jung (2–4 Jahre alt)
- lückenlos servicegeheftet (oft beim selben Händler)
- noch im Garantiezeitraum (Herstellergarantie oder occa-Garantie)
- oft mit attraktiver Ausstattung (Xenon/LED, Navigation, Anhängerkupplung)
Der Vorteil für Exporteure: Diese Autos sind mechanisch und optisch in einem Top-Zustand. Zudem können Sie bei Paketkäufen oft bis zu 15% Rabatt aushandeln. Beispiel: Ein VW Passat Variant 2.0 TDI (Baujahr 2021, 40'000 km) als Leasingrückläufer kostet im Ankauf rund 28'000 Franken – der Exportpreis nach Kroatien liegt bei rund 34'000 Franken. Eine Marge von 6000 Franken brutto.
3. Jahreswagen von Importeuren und Händlern


Eine zweite lukrative Quelle sind Jahreswagen – Fahrzeuge, die von Importeuren oder Händlern als Vorführwagen, Mietwagen oder für die Geschäftsleitung genutzt und dann nach einem Jahr verkauft werden. Die Emil Frey Gruppe verkauft jährlich tausende dieser Autos über ihre eigene Plattform "Emil Frey Occasionen". Auch die AMAG bietet Jahreswagen an, oft mit attraktiven Rabatten von 20–30% gegenüber dem Neupreis.
Konkretes Beispiel: Ein VW Tiguan 2.0 TDI mit DSG, Xenon, Navigationssystem und knapp 15'000 Kilometern kostet als Jahreswagen rund 30'000 Franken. Neupreis: rund 42'000 Franken. Solche Fahrzeuge sind in Osteuropa extrem gefragt – der Exportpreis nach Bulgarien liegt bei etwa 36'000 Franken. Die Marge ist deutlich höher als bei Durchschnitts-Occasionen.
Wichtig: Jahreswagen haben oft noch die Restgarantie des Herstellers und sind meist unfallfrei. Prüfen Sie die Historie über CARFAX oder Auto-i-Dat, um sicherzugehen.
4. Online-Plattformen als Beschaffungsquelle
Natürlich suchen Exporteure nicht nur bei Grosshändlern. Online-Plattformen sind ein unverzichtbares Werkzeug. Autoscout24.ch listet zurzeit über 150'000 Fahrzeuge – von Privat und Gewerbe. Ricardo.ch bietet Auktionen mit etwa 5000 Occasionen pro Monat, oft mit Startpreisen weit unter Marktwert.
Speziell für den Export haben sich B2B-Plattformen etabliert:
- Autoexport.ch: Direktankauf von Händlern, Fahrzeuge aus der ganzen Schweiz, Handling inklusive Exportpapiere.
- CarForYou: Plattform für professionelle Händler, oft mit Stückzahlen und Sonderkonditionen.
Statistisch wurden 2023 über 30% der Exportfahrzeuge über Online-Kanäle erworben. Der Trend steigt – vor allem weil Privatverkäufer ihre Fahrzeuge oft unter Händlereinkaufspreis anbieten. Ein geschickter Exporteur nutzt Suchfilter gezielt: Suchen Sie nach Modellen wie BMW 5er, Audi A6 oder Mercedes E-Klasse mit Dieselmotor, maximal 100'000 km und Baujahr ab 2019. Diese Fahrzeuge haben in Osteuropa die höchste Nachfrage.
5. 5 Tipps für einen erfolgreichen Ankauf

Damit der Einkauf nicht zum Verlustgeschäft wird, beachten Sie diese fünf Handlungsempfehlungen:
- Setzen Sie auf nachfragestarke Modelle im Zielland: In Osteuropa dominieren Diesel (z.B. VW Golf TDI, BMW 320d). In Westafrika sind hingegen Benziner mit Automatik gefragt. Recherchieren Sie die lokalen Märkte.
- Prüfen Sie den Zustand penibel: Nutzen Sie CARFAX oder Auto-i-Dat für die Karosseriehistorie. Ein kosmetischer Schaden kann den Exportpreis drastisch senken.
- Kalkulieren Sie alle Exportkosten bereits beim Ankauf ein: Zoll, Mehrwertsteuer (8.1%), Transport zum Hafen/Umschlagplatz, etwaige Umrüstungen. Diese Posten fressen schnell die Marge.
- Bauen Sie langfristige Beziehungen zu Leasinggesellschaften und Flottenbetreibern auf: Viele Rückläufer landen gar nicht erst auf dem freien Markt, sondern werden direkt an Stammkunden verkauft. Ein gutes Verhältnis zur AMAG Leasing oder zur Emil Frey Leasing sichert Ihnen Vorkaufsrechte.
- Dokumentieren Sie jede Inspektion mit Fotos und Videos: Im Exportgeschäft zählt Vertrauen. Ein detailliertes Video des Fahrzeugs (innen, aussen, Unterboden) schützt Sie vor Reklamationen und baut Kundenloyalität auf.
6. Fallstricke vermeiden: Was beim Ankauf für den Export zu beachten ist
Der Teufel steckt im Detail. Selbst erfahrene Händler tappen in Fallen. Hier die häufigsten Stolpersteine:
- Unfallfahrzeuge mit unvollständigen Gutachten: Schweizer Gutachten von AXA oder TCS sind vertrauenswürdig, aber nicht immer vollständig. Lassen Sie bei Verdacht eine eigene Prüfung durchführen – etwa bei der MFK oder einem unabhängigen Sachverständigen.
- Steuerliche Fallen: Bei Export ausserhalb der EU kann die schweizerische Mehrwertsteuer (8.1%) erstattet werden. Dafür benötigen Sie das Formular 15.40 der Eidgenössischen Steuerverwaltung und den Nachweis der Ausfuhr. Fehler kosten bares Geld.
- Technische Abweichungen: Manche Zielländer akzeptieren keine Xenon- oder LED-Scheinwerfer ohne automatische Leuchtweitenregulierung und Scheinwerferreinigungsanlage. Prüfen Sie die Vorschriften vorab – eine Nachrüstung kann teuer werden.
- Dokumentenfälschung vermeiden: Für den Export sind Originalpapiere (Fahrzeugausweis, Serviceheft, allfällige Kopien der Leasingverträge) zwingend. Kopien oder eingescannte Dokumente werden bei der Zollabfertigung häufig nicht akzeptiert. Prüfen Sie die Echtheit der Fahrzeugausweise – Fälschungen kommen immer wieder vor.
Ein weiterer Tipp: Achten Sie auf den Kilometerstand. In der Schweiz sind Kilometerstände dank regelmässiger MFK-Prüfung meist korrekt. Doch bei Importfahrzeugen aus dem Ausland (z.B. aus Deutschland) gibt es oft Manipulationen. Setzen Sie lieber auf Schweizer Originale.
7. Jetzt Ihr Exportgeschäft optimieren
Der Schweizer Occasionsmarkt bietet einzigartige Chancen für Exporteure. Wer die Kunst des Ankaufs beherrscht – von Leasingrückläufern über Jahreswagen bis hin zu Online-Schnäppchen – kann regelmässig hohe Margen erzielen. Entscheidend sind Kenntnisse der Zielländer, eine sorgfältige Fahrzeugprüfung und ein starkes Netzwerk.
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